Twitter: @jakobh als Nestflüchter
Nach 7 Monaten und gut 1000 Tweets habe ich meine Nutzung des Microbloggingdienstes Twitter einmal ausführlich und kritisch reflektiert. (Was ist Twitter?)
Dabei bin ich zum Schluss gekommen, meinen Twitteraccount auf inaktiv zu setzen.
Ich möchte kurz auf die Gründe eingehen:
Sinnhaftigkeit und Nutzen-/Aufwandverhältnis
- Die “Halbwertszeit” von Tweets ist relativ unattraktiv, diese liegt bei Minuten oder wenn es gut geht bei Stunden. Versucht z.B. einmal, einen Tweet zu finden, den ihr vor einem halben Jahr geschrieben habt. Über Twitter, Google, etc. war mir das nicht möglich!?
- Twitter benötigt Aufmerksamkeit. Ich verwendete Twitter immer nebenbei wenn der Computer eingeschaltet war (was ich für die einzig sinnvolle Nutzung halte). Der Twitterstream aktualisiert sich laufend, und immer wieder schaut man hin, sieht interessante Sachen und schon ist man wieder abgelenkt. Meist nur kurz, aber permanent.
- Ich legte die falsche Herangehensweise an den Tag. Meiner Meinung nach hat jeder Twitternutzer, den ich “followe”, es verdient, dass ich seine Beiträge auch wirklich lese. Twitter funktioniert so aber nicht. Mich frustrierte es auch immer, wenn ich deutlich sah, dass meine Tweets von Followern nicht gelesen wurden.
- Das Konzept, das hinter der Beschränkung auf 140 Zeichen steckt, hat bestimmt seinen Sinn. Die Beschränkung auf kurze und prägnante Beiträge ist unter anderem zum Eindämmen der Informationsflut sehr wichtig. Wenn ich jedoch wirklich meine Meinung kundtun wollte, dann waren 140 Zeichen immer zu wenig (was auch den hohen Linkanteil in meinen Beiträgen teilweise erklärt). Ich habe einfach oft mehr zu sagen. Für Allewelt-Beiträge nach dem Twittermotto “What Are You Doing?” reichen 140 Zeichen natürlich.
- Weiters halte ich die Redundanz der Twitterbeiträge für sehr hoch. Anstatt mittels in Newsreadern vorhandener, einfacher Empfehlung auf einen guten Beitrag – meist sind es dann Links zu Nachrichten – hinzuweisen, gibt’s unzählige Tweets ala “RT @dieser RT @welcher RT @jener”, was ja auch die Twitterettiquette vorsieht. Beitragsempfehlungssysteme wie z.B. in Google Reader finde ich hier effizienter und besser.
Privatsphäre
- In meiner Twittererkundungsphase war es für mich durchaus in Ordnung und sogar erwünscht, dass alle Welt wissen kann, was ich wo gerade tue und vor allem was mich gerade beschäftigt. Da ich ansich ein sehr kommunikativer und mitteilungsbedürftiger Mensch bin, war mir das sehr willkommen.
Mit der Zeit begann ich dann, nicht zuletzt aufgrund von diversen Nachrichtenmeldungen, immer genauer zu überlegen, was ich alles öffentlich twittere. Mit der Privatsphäre sehe ich vor allem das Problem, dass man (niemand!) vorher einschätzen kann, welche Auswirkungen Geschriebenes später haben kann. Und ist einmal etwas im Internet veröffentlicht, gibt es so gut wie keinen Weg mehr zurück. Die ganze Welt kann darauf mit wenigen Klicks zugreifen.
Ich werde Twitter bestimmt nicht aus meinem Verzeichnis gerne benutzter Websites streichen. Als Echtzeit-Nachrichtendienst ist es unbeschreiblich wertvoll. Beispiel: Man möchte einen bestimmten Internetdienst nutzen und dieser funktioniert nicht. Bevor ich den Fehler bei mir suche, starte ich eine kurze Twittersuche und lese dann sofort, ob auch andere dieses Problem haben. Twitter wird also noch weiter eine Nachrichtenquelle für mich bleiben.
Gänzlich werde ich nicht auf Micoblogging verzichten. Jedoch werde ich nicht mehr öffentlich twittern, sondern (überlegte) Meldungen in Facebook schreiben. Diese werden dann meinen (Offline- und Online-)Freunden zugänglich sein, die an meinen persönlichen Nachrichten interessiert sind.
Denn allgemeine Nachrichtendienste gibt es genug. Allgemeine Neuigkeiten kann ich auch mit gezieltem Abonnieren von ausgewählten RSS-Feed beziehen, dies geschieht zwar nicht in Echtzeit, aber sehr nahe daran.
Neuigkeiten über Fotos, interessante Links etc. könnt ihr immer aktuell in meinem Friendfeed (-> Jakobs Lifestream) lesen, persönliche Kurznachrichten als meine Freunde auf Facebook.
Alles spricht von Medienkompetenz, die man am besten bekommt, wenn man Medien nutzt. Ich habe Twitter verwendet und mir meine Meinung dazu gebildet. Ich bedanke mich bei meinen vielen Followern aus aller Welt, die bisher meine Tweets abonniert hatten, jedoch beende ich nun meine aktive Twitternutzung bis auf Weiteres.
Danke für euer Interesse an meinem Beitrag!
Jakob
PS: Eigentlich bin ich jetzt auch froh, zukünftig nicht mehr in Erklärungsnotstand zu kommen, wenn ich nach dem Sinn meiner begeisterten Twitteraktivitäten gefragt werde. Klarstellend: Twitter ist eine interessante Form der Kommunikation und mehr als reines Geschwafel – jedoch möchte ich vorerst wieder darauf verzichten.
Dein Artikel spricht mir aus der Seele – gut geschrieben, schlüssige Argumente.
Was an Twitter wirklich klasse ist: man kann die Tweets dank netter Widgets und Verbindungen in sehr vielen anderen Medien zeitgleich veröffentlichen.
Danke für deinen Kommentar!
Auch ich verwende weiterhin Twitter, jedoch nur als automatisiertes Newsfeed für den Livestream rechts oben. Das Einbetten über Widgets funktioniert hier wirklich gut.